Hallo!
Ich wünsche alles Gute fürs 2012 und herzlichen Dank für die konstruktiven Anregungen. Blogmässig war das 2011 ein gutes Jahr, deshalb nochmals Danke!!
Wie es halt so manchmal im Leben ist, braucht der Mensch mal Pause und neue Inputs. Einfach mal aus seiner Umgebung rauskommen und gucken was es in der Welt gibt.
Und … tatsächlich, es gibt wirklich ne Menge, da draussen!!
Meine Freundin und ich beschlossen hauptsächlich den Libanon zu bereisen. Was sich als positiv herausgestellt hat. In den nächsten Zeilen beschreibe ich gerne einige Eindrücke von unserem Aufenthalt und kleine Details der libanesischen CAD-Welt.
Zirka 4.5 Millionen Menschen leben in diesem kleinen Staat des nahen Ostens. Die grössten Metropolen sind, natürlich als Hauptstadt Beirut (ca. 1.5 Millionen Einwohner), Tripolis (nicht zu verwechseln mit Tripolis in Lybien), Byblos (hört sich an wie Buch) und im Süden des Landes liegen die an Israel angrenzenden Städte Sidon und Tyr.
Erstaunlicherweise leben ca. 20 Millionen Menschen libanesischer Herkunft im Ausland. Prominente wie Keeanu Reeves und Shakira haben libanesische Vorfahren.
Der Bürgerkrieg, der mitten in den Siebzigern begann und bis Anfangs der neunziger Jahre dauerte, hat das Land optisch und moralisch stark geprägt. In einigen Teilen des Landes, vor allem in Beirut, sind Narben und Spuren des Krieges zu sehen.
Der Libanon ist heute demokratisch regiert.
Die religiöse Gruppierungen weisen ein Verhältnis von 60 % Muslime zu 40 % Christen auf und sind im Parlament vertreten. Heutzutage ist es im Libanon friedlich, was ich übrigens diesen Menschen vom Herzen gönne.
Hoffentlich bleibt dies auch so, auch wenn drumherum grosse Unruhe herrscht.
Das EDA (Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten) rät ab den Libanon zu bereisen. Trotzdem ging ich dorthin und hatte eine tolle Zeit. Was nicht bedeutet, dass die Empfehlungen des EDA nicht ernst zu nehmen sind. Im Gegenteil ich persönlich empfehle folgendes:
Keine Wanderungen auf eigene Faust zu unternehmen. Es besteht die Gefahr auf Minen zu treten. Um Ausflüge einigermassen sicher zu gestalten, empfiehlt sich den Service von bekannten Touristenführern in Anspruch zu nehmen. Die Preise für Touren sind ja auch gnädig.
Nicht Auto fahren. Die Fahrweise der Libanesen ist lustig, aber sehr chaotisch. Ich weiss nicht welche Regelungen im Falle eines Unfalls gelten. Und wollte diese auch nicht vor Ort herausfinden.
Man hört schreckliche Geschichten über Soldaten und Checkpoints, vor allem aus anderen Ländern des nahen Ostens. Ich habe gute Erfahrungen mit der libanesischen Armee gemacht. Grundsätzlich fühlte ich mich sicher in ihrer Nähe. Sie waren nett und zuvorkommend. Allerdings sind sie oft anzutreffen. Vor allem in Beirut und im Süden des Libanon. Bei einer Kontrolle an einem Checkpoint ist Ruhe zu bewahren. Den Pass mit dem notwendigen Touristenvisum dabei zu haben ist logischerweise Pflicht.
Meiner Meinung nach gilt folgendes: Respekt, Freundlichkeit aber auch selbstbewusstes Auftreten sollte ein Tourist schon mitbringen. Es sollte jedem klar sein, dass man in einem solchen Land auf sich selbst gestellt ist. Deshalb rate ich, den gesunden Menschenverstand zu gebrauchen.
Beispiel:
Obwohl Beirut über ein spannendes Nightlife verfügt, würde ich intensive Sauftouren wie auf Mallorca unterlassen. Ach und übrigens: Moscheen können trotz der Hitze, nicht im Bikini besucht werden.
Ganz wichtig ist… nicht nach Syrien zu reisen! Sorry was dort momentan passiert, geht gar nicht! Dazu keine weiteren Kommentare.
Nun zurück zum schönen Libanon…
Ein Spaziergang durch Beirut ist eine total spannende Sache. Die üblichen Klischees wie: massive Frauenanbaggerei, Teppichverkäufer die lästig werden, überhaupt aufdringliches Verhalten gegenüber Touristen sind selten. Ehrlich gesagt war ich erstaunt vom Charme dieser Stadt. Die Mischung verschiedener Kulturen und Einflüsse ist präsent, dennoch ist der muslimische Charakter prägend, was ich übrigens positiv finde.
Viele westlich orientierte Geschäfte sind auch dort zu finden, wie zum Beispiel www.harley-davidson-lebanon.com.
Früher war Beirut das Paris des nahen Osten.Wenn sich Beirut weiter so entwickelt, wird diese Stadt den früheren guten Ruf bald wieder erreichen.
Die Temperaturen sind gemütlich bis sehr heiss, vor allem mitten im Sommer. Wer Abkühlung am Strand sucht findet diesen in privaten Beachclubs. Der Eintritt ist jedoch kostenpflichtig.
CAD-Anwender gibt es in Beirut viele. Man sieht sie gelegentlich mit ihren Laptops in Kaffehäusern und sie sind sehr gesprächig. Die meisten sind hervorragende AutoCAD User, aber auch das Tool 3D Studio Max ist sehr verbreitet. Ich habe sehr elegante Modelle von arabischen Schriften gesehen. Sehr schöne kurvige Geometrien, die mit grosser Vorsicht und Liebe erstellt wurden.
CAD-Anwender aus dem Maschinenbau habe ich keine getroffen. Wahrscheinlich ist die libanesische Maschinenbauindustrie sehr klein oder gar nicht in der Wirtschaft vertreten. Die meisten Anwender die ich traff, waren Architekten und Bauingenieure.
Die CAD-Anwender in diesem Land befriedigen ihre Designbedürfnisse einfacherweise mit AutoCAD und 3D Studio Max und irgendwie reichen ihnen diese Tools auch. Sie sind in LISP bewandert und verwenden für repetitive Aufgaben, den Aktionsmakrorekorder und Skripts effizient. Tools wie Revit oder Inventor sind bekannt, werden jedoch nicht oder eher selten angewendet. Zumindest war das mein Eindruck.
Was mich richtig beeindruckte, waren 3D Grafittis die mit 3D Studio Max modelliert und gerendert wurden. Habe ich selbst in der Art noch nie gesehen. Wer weiss, vielleicht erstelle ich mal eins mit AutoCAD. Hehe!
Wenn man 3D-Graffitis und die heutige 3D-Drucktechnik betrachtet, könnte die Zukunft so aussehen, dass diese 3D-Formen nicht mehr gesprüht, sondern gleich rebellisch als Gebilde an einer Wand montiert werden.
Ich weiss mancher Architekt, Bauherr oder wer auch immer wird nach dem Lesen dieser Zeile die Nase extrem rümpfen. Sorry ich dachte ja nur laut! Ich werde solche Sachen selbstverständlich nicht machen, habe ja auch keine Zeit dafür. Trotzdem waren diese 3D-Graffitis echt beeindruckend, inspirierend und erwähnenswert.
Graffitis im allgemeinen haben mich dazugebracht die Wände von Beirut genauer zu betrachten. Davon gibt es unzählige, und vor allem eine grosse Viefalt. In diesem Zusammenhang wurde mir eine tolle Geschichte von einen jungen Sprayer erzählt.
In der Nachkriegszeit, etwa mitte der Neunziger, herrschte trotz angeblicher Frieden eine ganz schlechte Stimmung in Beirut. Einerseits war Aufbau ein grosses Thema, andererseits gab es noch eine Wolke des Misstrauens gegenüber dem Frieden. Die Konflikte waren noch in den Herzen der Beiruter. Aus Rebellion und Wut und um vielleicht diesem Misstrauen zu entkommen, sprühte er das folgende Slogan auf Arabisch überall hin:
“Beirut ma betmout”
Was auf Deutsch bedeutet:
Beirut stirbt nie!
Damit erzeugte er eine sehr ansteckende und positive Welle, die von allen aufgenommen wurde. Er war damals 13 Jahre alt.
Der Slogan wurde so populär, dass auch die eher biederen Geschäftsleute den Satz in ihren alltäglichen Leben brauchten.
Und wisst ihr was?
Er hatte Recht denn….
BEIRUT NEVER DIES!!!
Jose De Jesus